Das System der US-Vorwahlen
Wer in den USA zur Präsidentschaftswahl antreten „darf“, entscheiden die Bürger in jedem Bundesstaat in sogenannten primaries oder caucuses.

In Caucus-Staaten werden die Delegierten für die national convention (Bundesparteitag), wo der Präsidentschaftskandidat offiziell nominiert wird, von lokalen oder regionalen Parteitagen oder Nominierungsversammlungen bestimmt. Dabei kommen die Anhänger einer Partei in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zusammen und beraten dort darüber, welchen Präsidentschaftskandidaten die Partei unterstützen möchte. Für den Caucus gelten in jedem Bundesstaat andere Regeln. Das Wort stammt aus der Indianersprache und bezeichnete ursprünglich einen Stammesrat. Die Versammlungen dauern eineinhalb bis zwei Stunden.
Zu den Wahlversammlungen beider Parteien sind nur registrierte Parteianhänger zugelassen. Wegen des aufwendigen Verfahrens nimmt gewöhnlich nur eine kleine Zahl der Parteianhänger an den Caucuses teil.
Die Vorwahlen (primaries) kommen der demokratischen Transparenz innerhalb der Parteien noch mehr entgegen, vor allem die open primaries. An diesen dürfen alle Wahlberechtigen teilnehmen, eine Mitgliedschaft in der Partei oder auch nur eine ausdrückliche Parteipräferenz sind dazu nicht erforderlich. Beim Verfahren der closed primary muss sich jeder Wähler öffentlich zu seiner Parteipräferenz bekennen. Auch hier ist es aber nicht notwendig, Mitglied einer Partei zu sein. Es genügt, die eigene Zugehörigkeit zu einer Partei auszudrücken, indem man sich für die Teilnahme an der Vorwahl registriert oder auch nur durch die Teilnahme selbst.
Welcher Bundesstaat wann abstimmt, gibt in großen Zügen die Partei vor. Die konkrete Festsetzung der Termine liegt aber bei den einzelnen Bundesstaaten, wobei hier zum Teil langjährige Traditionen eine Rolle spielen.
Demokraten
An der national convention der Demokraten nehmen 4049 Delegierte teil. Um nominiert zu werden, benötigt ein Kandidat somit die Mehrheit von mindestens 2025 Stimmen. An der convention nehmen nicht nur die in den Bundesstaaten gewählten Delegierten (pledged delegates, verpflichtete Delegierte), sondern auch sogenannte superdelegates teil. Diese 796 Superdelegierten sind die Kongress- und Senatsabgeordneten und Gouverneure der Partei, die Mitglieder der US-Bundespartei und sogenannte party leaders der Demokraten wie etwa frühere Präsidenten und Vizepräsidenten der USA. Obwohl für einen Kandidaten gewählt, sind die Delegierten aus den einzelnen Bundesstaaten gesetzlich nicht an ihr Votum gebunden, machen dies aber, seit den Kandidaten das Recht eingeräumt wurde, ihnen illoyal erscheinende Delegierte auszutauschen.
Je nach Ergebnis der Vorwahl in einem Bundesstaat bekommt der Präsidentschaftskandidat Wahlmänner zugeordnet. Erhält also ein Kandidat 40 Prozent der Stimmen, bekommt er auch 40 Prozent der Wahlmänner für den Bundesparteitag zugerechnet – allerdings nicht immer wirklich exakt, da die Delegierten nicht nach dem Gesamtergebnis, sondern aufgeteilt auf die Wahlkreise vergeben werden können. Bei den Vorwahlen gilt allerdings eine 15-Prozent-Hürde. Alle Kandidaten, die diese Hürde nicht schaffen, bekommen keine Wahlmänner zugeordnet, diese werden verhältnismäßig auf jene Kandidaten verteilt, die die Hürde genommen haben.
Republikaner
Das Prozedere bei den Republikanern ist ähnlich. Ein Kandidat braucht die Mehrheit von mindestens 1191 der 2380 Delegierten, um nominiert zu werden. Bei den Teilnehmern der convention unterscheidet die Partei zwischen den in den Bundesstaaten gewählten (pledged) und sogenannten unpledged delegates (nicht verpflichtet). Auch die 463 unpledged delegates werden zum Großteil von der Partei gewählt oder bestimmt, der Rest sind die Vorsitzenden der Partei in den Bundesstaaten oder Mitglieder der Bundespartei (unpledged RNC member delegates).
Bei den Republikanern entscheidet jeder Bundesstaat selbst, ob die bei den Vorwahlen gewonnenen Delegierten nach dem Mehrheits- (the winner takes it all) oder dem Verhältniswahlrecht (wie bei den Demokraten) vergeben werden. Eine 15-Prozent-Hürde wie bei den Demokraten gibt es grundsätzlich nicht, kann aber von den Bundesstaaten in beliebiger Höhe eingesetzt werden.
Generell ist das Prozedere der Vorwahlen nicht verfassungsrechtlich festgelegt, die Parteiorganisationen sind daher in seiner Gestaltung frei und legen auch unterschiedliche Regeln fest.
Wahlmänner
Superdelegates und unpledged delegates sind in ihrer Wahl für einen Kandidaten nicht gebunden, können ihr Votum also jederzeit ändern. Die Zahl der Delegierten kann sich bei beiden Parteien ändern, sollte ein Delegierter sein Amt verlieren, aus der Partei austreten oder es nicht zur Abstimmung schaffen. Letztlich kann auch die Parteiführung noch Änderungen verfügen.
Die Anzahl der stimmberechtigten Delegierten eines Staates auf dem Nominierungsparteitag hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke und seinem Wähleranteil bei den letzten drei Präsidentenwahlen ab.
Die national conventions finden bei den Demokraten zwischen 25. und 28. August in Denver (Colorado) und bei den Republikaner von 1. bis 4. September in Minneapolis (Minnesota) statt. Die Präsidentschaftswahl erfolgt am 4. November.
Die Ergebnisse der Vorwahlen
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